Universität des Saarlandes  

Fachrichtung Mathematik


Kolloquium im Wintersemester 2009/10

27.11.2009
Prof. Dr. Kathrin Bringmann, Köln:
Asymptotische und genaue Formel für Koeffizienten harmonischer Maaß-Formen

Seit einiger Zeit sind harmonische Maaß-Formen ein vielbeachteter Forschungsschwerpunkt in der Zahlentheorie und haben auch außerhalb vielfältige Anwendungen beispielsweise in anderen Bereichen der Mathematik (z.B. Lie-Theorie), Physik (z.B. der Theorie schwarzer Löcher) und Biologie (z.B. zellulären Wachstumsmodellen).

Frau Prof. Bringmann wurde 2009 mit dem Alfried-Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer sowie mit dem Sastra-Ramanujan-Preis (vergeben für »outstanding contributions to areas of mathematics influenced by the genius Srinivasa Ramanujan (1887-1920)«) ausgezeichnet.

Frau Prof. Bringmann ist Gast von Prof. Schulze-Pillot.

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04.12.2009
Prof. Dr. Gabriele Steidl, Mannheim:
Operator-Splitting-Techniken in der Bildverarbeitung

Operator-Splitting-Techniken wurden in letzter Zeit sehr erfolgreich in der digitalen Bildverarbeitung angewendet, u.a. zur Beseitigung von Unschärfe bei Bildern mit Poisson- oder multiplikativem Gamma-Rauschen, zum Inpainting (Interpolation) oder Multi-Task-Learning. Der Vortrag gibt zunächst eine Einführung in die relevanten Operator-Splitting-Methoden ausgehend von der Theorie der »Averaged-Operatoren«. Insbesondere wird auf

  • Bregman-Proximal-Point-Methoden,
  • primal-duale Lagrange-Methoden,
  • Multistep-Techniken
eingegangen. Danach werden die entsprechenden Anwendungen gezeigt.

Frau Prof. Steidl ist Gast von Prof. Weickert.

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11.12.2009
Prof. Dr. Hans-Georg Rück, Kassel:
Rationale Punkte auf algebraischen Kurven

Der Vortrag soll einen kleinen Einblick in die Welt der diophantischen Geometrie geben, ohne spezielle Kenntnisse aus Zahlentheorie oder algebraischer Geometrie vorauszusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Suche und die Klassifikation von rationalen Punkten auf algebraischen Kurven kleinen Grades.

Herr Prof. Rück ist Gast von Prof. Gekeler.

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15.01.2010
Prof. Dr. Peter Deuflhard, Berlin:
Analysis und Numerik dynamischer Kontaktprobleme

The speaker and his research group in computational medicine have come across dynamical contact problems in the context of a collaboration on orthopaedic surgery (SFB 765). Special first attention has focussed on the motion of the patient-specific knee.

As it turned out, the numerical integration of time dependent contact problems has stayed unsatisfactory for decades. The classical Newmark method, which is quite popular in the engineering world, is a real »perpetuum mobile« in that it generates energy! A rather recent improvement due the Caltech group around Marsden and Ortiz is energy dissipative, but still unsatisfactory, since it produces artificial oscillations (untolerable in the collaboration with surgeons!). More recently, the speaker and his coworkers have suggested a further modification meanwhile called »contact-stabilized Newmark method«. This scheme now is energy dissipative and avoids artificial oscillations.

However, all Newmark schemes escape the usual domain of consistency theory for numerical integration. After a long investigative period, we found the theoretical key to this kind of integrators. The new theoretical characterization requires bounded variation in terms of a physical energy funtional that includes kinetic energy, elastic energy, and visco-elastic energy. First numerical findings for an adaptive stepsize control in a Hertzian contact problem will be presented.

Herr Prof. Deuflhard ist Gast von Prof. Louis.

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22.01.2010
Prof. Dr. Jens-Peter Kreiß, Braunschweig:
Bootstrap für stationäre und lokal stationäre Zeitreihenmodelle

Nach einer Einführung in die für den Vortrag wesentlichen Teile der Zeitreihenanalyse und des Bootstraps werden verschiedene Resamplingansätze diskutiert und auf ihre Eigenschaften hin untersucht. Ein wichtiges Ziel ist es, die Idee der Verbindung von zwei grundsätzlich unterschiedlichen Zugängen zu einem hybriden Verfahren zu verdeutlichen und die Vorteile darzustellen. Zum Abschluss werden lokal stationäre Modelle erläutert, und es wird demonstriert, dass sich die vorgestellten Ansätze darauf erweitern lassen.

Herr Prof. Kreiß ist Gast von Prof. Bender.

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29.01.2010
Prof. Dr. Jürgen Pöschel, Stuttgart:
Normal form theory of the defocusing nonlinear Schrödinger equation

We consider the defocusing Schrödinger equation

ut = –uxx + 2 |u|2 u
with periodic boundary conditions. Like the more prominent KdV equation, it represents an infinite dimensional integrable Hamiltonian system.

Via the Lax pair formalism, a complete set of integrals is provided by spectral data of the so called Zhakarov-Shabat operator associated with u. The corresponding invariant manifolds are tori of varying dimension, similar to classical integrable Hamiltonian systems.

Using ideas of Flaschka, McLaughlin, McKean, Vaninsky – among others – these spectral data can be used to define action-angle coordinates, and subsequently even global canonical coordinates, so that the Hamiltonian of the nonlinear Schrödinger equation takes the classical normal form

H = H(..., xi2+yi2, ...)
albeit in infinitely many coordinates. Thus the nonlinear Schrödinger equation is brought globally into normal form.

As an application of these so called Birkhoff coordinates we mention the well-posedness problem of the defocusing nonlinear Schrödinger equation on the circle in weighted Sobolev spaces.

Herr Prof. Pöschel ist Gast von Prof. Groves.

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19.03.2010
Dr. Tomáš Dohnal, Karlsruhe:
Rigorose Asymptotik von Gap-Solitonen in nichtlinearen periodischen Medien

Ein faszinierendes Phänomen der Wellenausbreitung in nichtlinearen Medien sind solitäre Wellen, die ihre Form während der Ausbreitung nicht ändern. In periodischen Strukturen, wie z.B. photonischen Kristallen, existieren solitäre Wellen für Frequenzen (oder Spektralparameter), die in Lücken der zugehörigen Bandstruktur liegen. Sie heißen Gap-Solitonen. Gap-Solitonen in photonischen Kristallen gelten als potenzielle Trägersignale für zukünftige Anwendungen in optischen Computern und in der Signalverarbeitung.

Die Verzweigung von Gap-Solitonen von Rändern der Bandstruktur kann durch eine so genannte »slowly varying envelope«-Näherung beschrieben werden. Dabei genügen die Einhüllenden einem System von partiellen Differentialgleichungen mit konstanten Koeffizienten, die »coupled mode equations« (CME) heißen. Wir analysieren diese Verzweigung im Fall der kubisch nichtlinearen Schrödinger-Gleichung in 2D. Wir werden zeigen, dass die formale Herleitung der CME im Allgemeinen notwendigerweise in Bloch-Variablen (nach der Bloch-Transformation) durchgeführt werden muss. Wir rechtfertigen zunächst die asymptotische Näherung rigoros mit Hilfe der Lyapunov-Schmidt-Zerlegung und schätzen den Approximationsfehler in einer geeigneten Hs-Norm mittels des Banach'schen Fixpunktsatzes ab. Der Zusammenhang zwischen der Bandstruktur, der Form der CME und den Eigenschaften der Gap-Solitonen wird ebenfalls diskutiert.

Herr Dr. Dohnal ist Gast von Prof. Groves.

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19.03.2010
Dr. Michael Herrmann, Oxford:
Wellen und Oszillationen im makroskopischen Limes hamiltonscher Gittergleichungen

Gittergleichungen (lattice equations) sind hochdimensionale Systeme gewöhnlicher Differentialgleichungen, die das Verhalten makroskopischer Festkörper oder optischer Medien auf einer sehr kleinen, atomaren Skala modellieren. In diesem Vortrag beschreibe ich zunächst einige der mathematischen Probleme, die im Bereich der Mehrskalenanalysis hamiltonscher Gittergleichungen auftreten, und skizziere mögliche Lösungsansätze. Dabei werde ich insbesondere auf modulierte Oszillationen und makroskopische Schockwellen eingehen. Anschließend präsentiere ich neuere mathematische Resultate über die Existenz und qualitativen Eigenschaften periodischer, homokliner und heterokliner Wellen in diskreten hamiltonschen Medien.

Herr Dr. Herrmann ist Gast von Prof. Groves.

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19.03.2010
Dr. Christian Pötzsche, München:
Nichtautonome Dynamik: Fortsetzung, Verzweigung und Anwendung

Nichtautonome dynamische Systeme werden von Differential- oder Differenzengleichungen erzeugt, deren rechte Seite explizit von der Zeit abhängt. Sie sind aus Anwendungssicht gut motiviert, um etwa Modelle unter saisonalen, Kontroll- oder zufälligen Einflüssen mathematisch zu analysieren. Allerdings besitzen die resultierenden Gleichungen aufgrund ihrer beliebigen Zeitabhängigkeit im Allgemeinen weder Ruhelagen noch periodische Lösungen. Daher ist eine Erweiterung der klassischen Theorie dynamischer Systeme erforderlich.

Unser entsprechender Zugang basiert auf der Beobachtung, dass Ruhelagen autonomer Gleichungen als beschränkte und auf der gesamten Zeitachse definierte Lösungen erhalten bleiben. Auf dieser Grundlage werden Ansätze zu einer nichtautonomen Verzweigungstheorie vorgestellt. Typischerweise werden hierbei algebraische Probleme der autonomen Theorie (Bestimmung von Ruhepunkten, Taylor-Koeffizienten etc.) zu dynamischen, d.h. es sind beschränkte Lösungen zu bestimmen. Das so genannte Dichotomie-Spektrum dient als Hyperbolizitäts-Konzept, und exponentielle Dichotomien machen eine analytische Verzweigungstheorie anwendbar, aber auch weniger klassische und im autonomen Fall unbekannte Phänomene treten auf.

Herr Dr. Pötzsche ist Gast von Prof. Groves.

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