Professor Dr. Erich Lamprecht

* 14. 4. 1926 26. 9. 2003






In memoriam Prof. Dr. Erich Lamprecht

von Dr. Wolfgang Müller
– Archiv der Universität des Saarlandes –

Seit 1958 wirkte er als Schriftleiter und seit 1965 als federführender Herausgeber des «Archivs der Mathematik», prägte seit 1963 das Profil der Saarbrücker Mathematik maßgeblich und genoß wegen seiner Persönlichkeit und seines Engagements als Hochschullehrer höchstes Ansehen: Im Alter von 77 Jahren ist Prof. Dr. Erich Lamprecht am 26. September verstorben. Am 14. April 1926 in Mainz geboren, war er an der Humboldt-Universität 1952 mit der Dissertation «Allgemeine Theorie der Gaußschen Summen in endlichen kommutativen Ringen» promoviert worden. 1953 folgten der Wechsel an die Universität Würzburg und dort 1955 die Habilitation.

Zum 1. März 1963 übernahm er ein Saarbrücker Ordinariat für Mathematik. Trotz ehrenvoller Rufe nach Münster, Marburg und Freiburg hielt er unserer Universität die Treue und erarbeitete mit der «Einführung in die Algebra» und «Lineare Algebra» renommierte Standardwerke. Mit seinen «Lehrbriefen» dokumentierte er sein unermüdliches Engagement für die Verbindung zwischen Schule und Hochschule. Ferner übernahm er umfangreiche Aufgaben in der akademischen Selbstverwaltung, als Dekam 1973/74 sowie als Prodekan 1977/79 und hatte viele Jahre den Vorsitz sowohl der Senatskommission für das Rechenzentrum als auch des Prüfungsausschusses für Diplom-Mathematiker inne.

Wiedergabe des Textes aus «campus» 1/2004 mit freundlicher Genehmigung des Autors.





Nachruf auf Prof. Dr. Erich Lamprecht

von Prof. Dr. Heinz König

Zum Abschied von Erich Lamprecht spreche ich als sein ältester und dienstältester Fachkollege im Namen der Universität des Saarlandes, der Fakultät für Mathematik und Informatik und des Faches Mathematik, und zugleich als sein persönlicher Freund über viele Jahre. –

Erich Lamprecht wurde im Jahre 1963 als ordentlicher Professor für Mathematik an unsere Universität berufen. Vorher war er nach seiner Habilitation 1955 für acht Jahre Dozent an der Universität Würzburg. Er hatte durch viele Arbeiten in der Forschung Ansehen erworben und stand in dem Rufe, ausgezeichnete Vorlesungen zu halten. Im ersten Saarbrücker Jahrzehnt erhielt er drei ehrenvolle Rufe nach Münster, Marburg und Freiburg. Er lehnte sie alle ab und hielt unserer Universität die Treue.

Die vierzig Jahre in Saarbrücken seit 1963 waren für Erich Lamprecht Jahre intensiver Arbeit, sowohl bis zu seiner Emeritierung 1994 als auch danach. Für die Universitätsprofessoren waren viele dieser Jahre belastet durch dauernde Interventionen der Politik mit immer neuen Gesetzen und dem Zwang zu immer neuen Regularien und durch den Druck des Pöbels auf Senkung des Niveaus.

Erich Lamprecht erfüllte das Amt eines Universitätsprofessors in vorbildlicher Weise. Er hatte viele Schüler: Doktoranden, Diplomanden und vor allem Kandidaten des Lehramtes an Höheren Schulen, in einer Zahl, die wir so schnell nicht rekonstruieren konnten. Man findet auch immer wieder, dass Erich Lamprecht das Amt eines Universitätsprofessors nicht nur ausfüllte, sondern über dessen konventionelle Pflichten hinauswuchs. So handelten seine Vorlesungen immer wieder, über seinen eigenen Forschungsbereich hinaus, von weiten Gebieten der Mathematik, wie es freilich der edelsten akademischen Tradition in der Mathematik entspricht. Und ein Schwerpunkt für ihn war nicht nur die Ausbildung der zukünftigen Lehrer der Mathematik, sondern auch die Fortbildung der schon im Beruf stehenden.

Ein Herzstück seines Wirkens aber war das Archiv der Mathematik: Eine mathematische Zeitschrift, formal eine von hunderten, aber erwachsen aus dem Geist der Gründer des Mathematischen Forschungsinstitutes Oberwolfach und aus der Idee, die einfachen Wahrheiten, die die mathematische Welt beherrschen, in einfachen Worten und kurzen Arbeiten darzustellen. Erich Lamprecht wurde in jungen Jahren Redakteur der Zeitschrift und 1965 ihr federführender Herausgeber, und so lenkte er ihr Geschick für fast ein halbes Jahrhundert. Das Archiv ehrte ihn vor zwei Jahren zu seinem 75. Geburtstag mit einer Festschrift, die von den üblichen Festschriften durchaus verschieden war: Ihre Arbeiten kamen nicht nur aus dem Forschungsbereich des Jubilars, sondern umfassten die volle Breite der Mathematik.

Ich muss an einen Satz denken, der vor Jahren einmal aus Wolfram Jehne förmlich hervorbrach: Professor für Mathematik zu sein ist der schönste Beruf auf dieser Welt. Ich meine, dass dieser Satz auf Erich Lamprecht zutrifft: Dieser Beruf war sein Leben. Er diente ihm mit Hingabe, und er war ein glücklicher Mensch in diesem Leben. Er hat diesen Beruf aber mit seinem sehr persönlichen Inhalt erfüllt: Erich Lamprecht steht für das Prinzip, vollkommene Intensität der Arbeit und Härte gegen sich selbst zu verbinden mit vollkommener menschlicher Offenheit und Wärme gegenüber anderen Menschen, wann immer sie guten Willens sind, und mit der Breite und Tiefe des Menschseins. Deshalb haben immer wieder Menschen ihn lieb gewonnen.

Das Glück dieser Welt wurde Erich Lamprecht ebenso durch seine Familie zuteil. Die Liebe seines Lebens war seine Frau, von allen Freunden Kiku genannt, deren Leben fünf Jahre vor dem seinen zu Ende gegangen war. Sie stützte und ergänzte ihn auf vollkommene Weise. Vor mir sitzen seine Kinder Karin und Ronald. Mit ihnen trauern alle die, in deren Namen ich spreche, und alle schulden Erich Lamprecht tiefen Dank. Wir werden ihn in gutem Gedächtnis behalten.

Wiedergabe des auf der Trauerfeier am 6. Oktober 2003 gehaltenen Nachrufs mit freundlicher Genehmigung des Autors.






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