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Arnold-Janssen-Gymnasium St.Wendel
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Eigenbau-Gitarre

E-Gitarre Eigenbau Nr. 1

Diese Gitarre entstand im Sommer 2011 nach eigenem Entwurf in Abwandlung der klassischen Gibson Les Paul.

Hals und Hardware stammen von ML-Factory (Kostenpunkt: ca. 100 Euro), der Korpus wurde aus Hartholzbohlen gefertigt, die bis in die 1970er Jahre in einem Güterwaggon der DB ihren Dienst taten. Also garantiert durchgetrocknet und belastungserprobt. Gefunden in Papas Keller.

An Werkzeugen kamen Oberfräse, Stichsäge, Bohrmaschine und diverse Schleifgeräte zum Einsatz, also nichts, was man nicht in jedem Baumarkt bzw. jeder gut sortierten Hobby-Werkstatt findet. Lackiert wurde mit Klarlack-Spraydosen aus dem Baumarkt-Sortiment.

Das Resultat sieht auf jeden Fall top aus, aber aus 100 Euro Materialkosten und Null Erfahrung kann man keine Zauberflöte bauen. Hin und wieder experimentiere ich an Sattelhöhe und Halswinkel herum, aber eine akzeptable Saitenlage hinzukriegen, bei der nichts scheppert, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Trotzdem spiele ich sie immer wieder gerne. Beim Folgeprojekt habe ich höherwertige Komponenten verwendet, und das hört man auch.


Korpushälften verleimen

Bei einer E-Gitarre wird der Korpus aus einem massiven Stück Holz gefertigt, die einzigen Hohlräume sind (in der Regel) die Ausfräsungen für die Tonabnehmer sowie ein Fach, das die Elektronik aufnimmt.

Da ein entsprechend großes, fehlerfreies Holzstück schwer zu finden ist, werden üblicherweise zwei Bohlen mittig zu einem Korpusrohling verleimt. Das Abrichten (d.h. Herstellen einer senkrechten Kante zum Verleimen) sollte man in einer Schreinerei erledigen lassen.

Korpus plan fräsen

Nachdem die Leimverbindung getrocknet ist, wird der Korpusrohling mit der Oberfräse auf beiden Seiten plan gefräst und dabei auf die gewünschte Dicke gebracht. Hierzu habe ich mir eine provisorische Führung für die Oberfräse gebastelt, mit der diese in einheitlicher Höhe in einer Ebene parallel zur Tischplatte geführt werden kann.

Nach dem Fräsen weist die Oberfläche noch deutliche Streifen auf, die sich aber mit einem Schwingschleifer schnell glätten lassen.

Aussägen der Kontur

Die Korpuskontur kann mit der Stichsäge (oder, falls vorhanden, Bandsäge) ausgesägt werden.

Schleifen des Randes

Wenn man mit einer Stichsäge arbeitet, wird der Korpusrand in den seltensten Fällen senkrecht zur Grundfläche verlaufen. Aber hier kann mit einem Bandschleifer nachgebessert werden.

Decke

Oft wird dem Korpus vollflächig eine dünne Decke aus besonders dekorativ gemasertem Holz (z.B.Riegelahorn) aufgeleimt. Die Decke für den kleinen Geldbeutel besteht aus Sperrholz. Das Besondere: Die Decke ist nicht durchgehend, sondern unterstützt die geschwungene Linienführung des Korpus.

Elektronikfächer

Auf der Rückseite werden die Elektronikfächer gefräst. Dabei wird zunächst (s.Bild) mit einem Forstner-Bohrer vorgearbeitet, um das Gros an Material wegzunehmen. Der Rest wird mit der Oberfräse erledigt.

Tonabnehmer-Fräsungen

Beim Fräsen der Tonabnehmer-Öffnungen kommt es auf Präzision an. Die Position muss vorher genau festgelegt werden. Es empfiehlt sich, eine Frässchablone anzufertigen.

Halstasche

Ebenfalls ein kritischer Punkt: Das Fräsen der Halstasche. Seitlich zu sehen: Die Anschlagleisten für die Grundplatte der Oberfräse. Beim Ausrichten sollte man besondere Sorgfalt walten lassen.

Kabelkanäle

Hier wird das Loch für die Klinkenbuchse gebohrt. Weitere Kabelkanäle (zwischen Tonabnehmer u. Schalter bzw. E-Fach) werden so angelegt, dass sie von außen nicht zu sehen sind. Hier stellt lediglich die Verbindung zwischen beiden Humbucker-Fächern ein Problem dar, das sich aber mit einem langen Bohrer lösen lässt: Damit kann man von der Halstasche her parallel zur Korpusgrundfläche durch das erste Tonabnehmerfach hindurchbohren und so den gewünschten Kanal herstellen.

Löcher für Brücke

Sobald die Löcher zur Aufnahme der Bolzen für Brücke und Saitenhalter gebohrt sind, sollte man probeweise einmal alles (bis auf die Verdrahtung der Elektronik) montieren, Saiten aufziehen und die Gitarre probespielen. Noch sind kleine Veränderungen am Korpus problemlos möglich. Sitzt alles perfekt und lässt sich eine gute Saitenlage einstellen, heißt es: Alles auseinanderbauen und den Korpus schleifen, schleifen, schleifen... mit schrittweise immer feinerer Körnung.

Hals

Kopfplatte mit eingebauten Mechaniken und Sattel

Beizen

Vor dem Beizen sollte man das Korpusholz mehrmals anfeuchten und wieder schleifen...schleifen...schleifen. Eine echte Geduldsprobe. Endlich kann der Korpus gebeizt...

Lackieren

...und nach Trocknen und Aufleimen der Decke in vielen dünnen Schichten lackiert werden. Auch mit Spraydosen sind gute Ergebnisse erzielbar, wenn man sich an ein paar einfache Regeln hält: Aus ca. 25cm Entfernung sprühen. Sprührichtung immer senkrecht zum Korpus. In waagerechten Bahnen mit gleichbleibender Geschwindigkeit vorgehen, dabei bereits seitlich des Korpus mit dem Sprühvorgang beginnen, um ein "Spucken" der Spraydose und damit Nasenbildung zu vermeiden. Nicht zu langsam über den Korpus bewegen. Lieber pro Schicht weniger Lack auftragen und dafür mehr Schichten, als eine zu dicke Lackschicht mit Nasenbildung!

Übrigens: Nach gutem Durchtrocknen des Lacks lässt sich die Oberfläche mit Autopolitur auf Hochglanz bringen.

Da ich es nicht mehr erwarten konnte, die Gitarre endlich zu spielen, gibt es vom "Finale", insbesondere vom Einbau der Elektronik, keine Fotos - meine Lötstellen sind sowieso nicht so sehenswert.


Valid XHTML 1.0 Transitional letzte Aktualisierung: 30.07.2013