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Arbeitskreis Mathematik und Bildung

Sprecher: Christian Büscher, Anselm Lambert

Der Arbeitskreis Mathematik und Bildung in der GDM lädt herzlich zu seiner diesjährigen Herbsttagung am 14. (ganztägig) und 15. November 2025 (vormittags) nach Saarbrücken ein! Wir empfehlen eine Anreise bereits am 13.09.2025 abends. 

Herbsttagung 2025 Heinrich Winters Grunderfahrungen heute und morgen ermöglichen

Zum Arbeitskreis Mathematik und Bildung gehört auch immer die Reflexion neuerer Entwicklungen in der Bildungslandschaft: Unter anderem ging es auf vergangenen Herbsttagungen um Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung, KI und algorithmische Bildung, Systemisches Denken und Financial Literacy. Als genuin mathematikdidaktischen Anknüpfungspunkt kommen die Diskussionen dabei oft auf einen „Klassiker“ zurück, nämlich Heinrich Winters Grunderfahrungen.

Wir möchten die Herbsttagung als Anlass nehmen, um aktuelle Forschung mit Bezug zu Mathematik und Bildung unter einer Winter‘schen Perspektive zu betrachten und aus dieser Sicht etwa Fragen zu diskutieren wie:

  • Kann BNE alle Grunderfahrungen ermöglichen? Und umgekehrt?
  • Wie kann man Grunderfahrungen nicht nur theoretisch betrachten, sondern ermöglichen?
  • Wo ist die Mathematik bei BNE, Demokratiebildung, etc.?
  • Was genau ist die Relevanz und Legitimation von mathematischer Bildung für die Zukunft? In Kontrast zur informatischen Bildung ... oder durch diese ergänzt? 

Neben dem Fokusthema der Tagung sind aber selbstverständlich auch freie Beiträge außerhalb des Fokusthemas gerne willkommen! So freuen wir uns etwa auch über Beiträge, die die vorangegangenen Fokusthemen (BNE, Demokratiebildung) fortführen.

Zeitplan (PDF-Datei)

Impulsvortrag zur Tagungseröffnung

Anselm Lambert Mathematische Bildung als Thema der Mathematikdidaktik - eine historische Skizze

Institutionell-normativ geben seit 2003 die Bildungsstandards der KMK die Ziele des Mathematikunterrichts in Deutschland vor. 2022 wurde eine kleine Überarbeitung veröffentlicht. die durch Digitalisierung angezeigte Änderungen aufgreift. Ingesamt erscheinen sie derzeit mit ihrem spezifischen Blick auf Bildung, der sich einengt durch Fokusierung auf Leitideen (Zahlen und Operationen, Größen und Messen. Strukturen und funtionaler Zusammenhang, Raum und Form, Daten und Zufall) und prozessorientierte Kompetenzen (mathematisch argumentieren, mathematisch kommunizieren, Probleme mathematisch lösen, mathematisch modellieren, mathematisch darstellen, mit mathematischen Objekten umgehen, mit Medien mathematisch arbeiten) unumstößlich. Ein Blick in den Mathematikunterricht der letzten 200 Jahre und dessen jeweilige gesellschaftlich Rahmung offenbart aber leicht, dass es in Deutschland immer wieder zu (mehr oder weniger grundsätzlichen) Neuorientierungen kam, die dann teilweise auch alte Ideen wieder teilweise aufgreifen. Die heutige Lernendenorientierung mit explizit gewünschter Selbsttätigkeit zum Beispiel war auch eine explizite Forderung der Reformpädagogik vor 100 Jahren und als solche im preußischen Lehrplan für die Gymnasien zu finden. Ein Blick in den Mathematikunterricht der letzten 200 Jahre beleuchtet auch die Auslassungen der heutigen Bildungsstandards und zeigt uns entsprechende Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Unterrichtsziele, - inhalte, -methoden und -kultur des Mathematikunterrichts auf.         

Angemeldete Vorträge

  1. Christian Büscher StochastikPLUS – ein Projekt zur Realisierung von BNE im Mathematikunterricht durch datenbasiertes Argumentieren Bildung für nachhaltige Entwicklung in kritisch-emanzipatorischer Absicht soll Lernende befähigen, ihr Wissen kritisch und selbständig einsetzen zu können, um auch unbekannte Herausforderungen im Sinne der Nachhaltigkeit reflektieren zu können. Die Mathematik kann hierzu ganz zentral beitragen, indem sie eine intersubjektive Sprache bereitstellt, mit der verschiedene Personen über den Zustand der Welt und über Handlungsoptionen kommunikatives Einverständnis erzielen können. Datenbasiertes Argumentieren stellt damit einen guten Ansatz für BNE im Mathematikunterricht dar – wobei die Frage nach den konkreten Realisierungen bleibt. Im Vortrag wird zunächst die Kommunikative Rolle von Mathematik mit Blick auf die Winter’schen Grunderfahrungen reflektiert. Im Anschluss wird mit StochastikPLUS ein Projekt vorgestellt, welches konkretes Unterrichtsmaterial zu BNE durch datenbasiertes Argumentieren in der Sekundarstufe I entwickelt und online verbreitet. Einblicke in den Einsatz des Materials in einer 5. Klasse zeigen, vor welchen Herausforderungen Lernende beim Erlernen von datenbasiertem Argumentieren stehen.
  2. Rainer Kaenders & Ysette Weiss Utopien ohne Ideale – wem nützen vermessene Lernziele?
    Auf den ersten Blick berufen sich die Bildungsstandards auf Heinrich Winter. Schaut man genau hin, so bemerkt man jedoch Modifikationen, Auslassungen und Ergänzungen. Andreas Vohns wies darauf hin, dass die Weglassungen in der ersten und zweiten Grunderfahrung mit deutlichen Pragmatisierungen zu tun haben, „die Gefahr laufen, die von Winter intendierten Bildungswirkungen zu unterlaufen.“ Der Vortrag beschäftigt sich mit den vorgenommenen Ergänzungen und daraus resultierenden veränderten Vorstellungen von Bildung, Leistung und sozialer Gerechtigkeit.
  3. Philip Helf Zukunftsherausforderungen im Mathematikunterricht: Verschränkung der Querschnittsthemen BNE und Digitalisierung
    Formulierungen wie „Schüler*innen nutzen Informationen und Daten aus Medienangeboten (Printmedien, Internet und Formelsammlung) zur Informationsrecherche“ (MSB NRW 2022, S. 19) oder „Schüler*innen recherchieren Informationen und Daten aus Medienangeboten (Printmedien, Internet und Formelsammlungen) und reflektieren diese kritisch“ (MSB NRW 2023, S. 17) sind Hinweise dafür, dass in Orientierungspapieren für den Mathematikunterricht versucht wird, dem Allgemeinbildungsanspruch von Mathematik bezogen auf aktuelle Herausforderungen gerecht zu werden. Die Wichtigkeit sich solcher Herausforderungen anzunehmen hebt auch Bärbel Barzel im aktuellen Basisartikels von mathematik lehren 250 hervor: „Für uns sind […] zwei Themen im aktuellen Diskurs von hoher Relevanz: der immens wichtige Beitrag des Mathematikunterrichts zur persönlichen Entwicklung, zur demokratischen Bildung und damit in Wechselwirkung die Herausforderungen durch KI.“
    Um derartige Zukunftsherausforderungen (Fake News, KI, Data Literacy, Klimawandel…) im Mathematikunterricht konstruktiv anzugehen, werden im Vortrag Konzepte und Kompetenzanforderungen der Querschnittsthemen Digitalisierung/Medienbildung und BNE synergetisch aufeinander bezogen und Gemeinsamkeiten ausgearbeitet. Die Hypothese ist, dass die beiden Querschnittsfelder, so unterschiedlich sie zunächst erscheinen, viele insbesondere beim Mathematiklernen Gemeinsamkeiten aufweisen und von den Lernenden ähnliche Fertigkeiten fordern. Das Betrachten der Gemeinsamkeiten (insb. der Kompetenzanforderungen) von BNE und Digitalisierung soll es erleichtern, Zukunftsherausforderungen im Mathematikunterricht konstruktiv zu bearbeiten. Es werden die Fragen diskutiert, wie eine derartige Verknüpfung funktionieren kann und inwieweit sie sinnvoll im Mathematikunterricht umsetzbar ist. Die theoretischen Überlegungen stehen im Zentrum des Vortrags. Sie werden anhand entwickelter Lernumgebungen für den Mathematikunterricht der Mittelstufe untermalt. Die Lernumgebungen sind insbesondere aus dem Spannungsfeld Digitalisierung als Teil der Lösung oder Teil des Problems von Nachhaltigkeitsfragen.
  4. David Kollosche Relevanz von Mathematikunterricht aus Schülersicht
    Schüler:innen der weiterführenden Schulen äußern die Ansicht, dass Mathematikunterricht für sie genau deshalb relevant sei, weil er lebenspraktische Qualifikationen vermittle. Diese fragile Ansicht kann an der Realität schnell zerschellen und ein Relevanzvakuum zurücklassen. Viele Möglichkeiten, wie Mathematik für sie relevant sein können, bleiben von den Schüler:innen hingegen unbeleuchtet und stehen für eine positive Identifikation mit der Mathematik daher nicht zur Verfügung. Berichtet wird von früheren und laufenden Erhebungen des Ist-Zustandes und von einem aktuellen Forschungsprojekt, in dem Interventionen erprobt und analysiert werden.
  5. Katja Lengnink KI-Systeme und ihren Einsatz im Mathematikunterricht reflektieren: Ein Ansatz unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit
    In den Projekten KIreflex und KIBne werden an der JLU Gießen Materialien für eine Reflexion der Potenziale und Grenzen von KI-Systemen auch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsthemen für den Mathematikunterricht und für zukünftige Lehrkräfte ausgearbeitet. Im Vortrag wird das Anliegen der beiden Projekte, die interdisziplinär mit der Informatikdidaktik durchgeführt werden, vorgestellt und theoretisch fundiert. Zudem werden die Materialien vorgestellt und erste Einblicke in eine Erprobung gegeben. Grundsätzlich wird in den beiden Projekten die Frage verfolgt, wie der Mathematikunterricht zu einer Mündigkeit in Bezug auf KI-Systeme beitragen kann.
  6. Daniel Pötz Synergien schaffen im Mathematikunterricht
    Themen wie Finanzprodukte, Gehälter, wirtschaftspolitische Entscheidungen gewinnen für die Koordinierung des täglichen Lebens zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus sollte die Auseinandersetzung mit realen Problemen der Schüler:innen Teil des Mathematikunterrichts sein.
    Eine Trendstudie (Schnetzer & Hurrelmann, 2022) hebt die Inflation als ein solches Problem hervor. Dieses Themenfeld lässt sich inhaltlich der Financial Literacy wie auch der Demokratiebildung zuschreiben. Um dieses Problemfeld in den Mathematikunterricht zu integrieren, bedarf es eines didaktischen Ansatzes, der eng mit der Gesellschaft, ihren Bürger:innen und vor allem mit der Lebenswelt der Schüler:innen operiert. Wie dieser aussehen kann, wird sowohl aus praktischer wie auch aus theoretischer Perspektive in einer Design Based Research Studie untersucht, deren Ziele dementsprechend diese beiden Perspektiven einbeziehen: Zum einen sollen in ihr Designkriterien für einen allgemeinbildenden Mathematikunterricht entwickelt werden, durch den Aspekte finanzieller Allgemeinbildung wie auch der Demokratiebildung angesprochen und fachbezogen entwickelt werden, zum anderen soll durch die Entwicklung lokaler Theoriebausteine ein Beitrag geleistet werden zur Erfassung von Grunderfahrungen und deren Zusammenhang zu demokratiefördernden und finanzbildungsfördernden Aspekten. In meinem Vortrag möchte ich den zweiten Teil meiner Dissertation vorstellen, indem die Designphase der Design Based Research Studie betrachtet wird und das konkrete Forschungs- und Unterrichtsdesign vorgestellt wird.
  7. Manfred Schmelzer Mathematik an einem kundenorientierten bayerischen Gymnasium
    In den Mitteilungen der DMV 2/2017 wurde eine einhellige Meinung von Didaktikern wiedergegeben, dass die Lücke zwischen Schule und Hochschule größer geworden ist. Die inhaltliche Kritik am heutigen Unterricht ist berechtigt, z. B. am Verschwinden des Beweisens oder dem „Üben ohne Verstehen“, wie Erich Wittmann im Artikel „Von allen guten Geistern verlassen" in Profil, Juni 2014, beschrieben hat. Aus meiner langjährigen Beobachtung der Leistungsentwicklung aller Schüler von der 5. Klasse bis zum Abitur ergibt sich, dass der Lernfortschritt in einem Unterrichtsjahr stärker durch die Vorprägung der Schüler als durch die aktuelle Lehrkraft bestimmt ist. Hierfür habe ich den Känguruwettbewerb, den BMT (bayerische Mathematik-Test) und die Abiturergebnisse in den G8-Jahrgängen ausgewertet. Der moderne Aufgaben- und prüfungsorientierte Unterricht krankt an seinem Verzicht auf die Entwicklung einer schulfachübergreifenden Auffassungsgabe. Dies schadet vor allem den Mädchen.

Teilnehmende

  1. Johanna Brück (Gießen)
  2. Christian Büscher (Duisburg-Essen)
  3. Tanja Hamann (Hildesheim)
  4. Jannik Heckmann (Bielefeld)
  5. Philip Helf (Aachen)
  6. Susanne Hilger (Köln)
  7. Rainer Kaenders (Bonn)
  8. David Kollosche (Klagenfurt)
  9. Anselm Lambert (Saarbrücken)
  10. Anke Leiser (Saarbrücken)
  11. Katja Lengnink (Gießen)
  12. Meike Maas (Saarbrücken)
  13. Laura Monz (Saarbrücken)
  14. Daniel Pötz (Graz)
  15. Manfred Schmelzer (Regensburg)
  16. Katharina Wagner (Saarbrücken)
  17. Ysette Weiss (Mainz)
  18. Katharina Wilhelm (Saarbrücken)
  19. Klaus P. Wolff (Wörth)
  20. Und Sie?

Unterbringung & Verpflegung

Die Tagung findet in der Fachrichtung Mathematik an der Universität des Saarlandes statt. Als gemeinsames „Tagungshotel“ konnten wir die Hermann-Neuberger-Sportschule  des Saarländischen Fußballverbands gewinnen. In der Tagungsgebühr sind Unterbringung und Verpflegung bereits voll enthalten, einschließlich eines gemütlichen gemeinsamen französischen Abends.

Neu: Wie auf der Arbeitskreissitzung auf der GDM 2025 angekündigt, beginnen wir aufgrund der steigenden Anzahl an Beiträgen mit dem Programm bereits am Freitag, 14.11. vormittags. Eine Anreise am 13.11. mit optionalem gemeinsamem Abend ist möglich. Die Unterbringung erfolgt dann ebenfalls im Tagungshotel.

Die Tagungsgebühr beträgt 150 € (bei Anreise bereits am 13.11.) bzw. 100 €  (bei Anreise am 14.11.) inklusive Frühstück und Mittagessen und ohne Übernachtung 60 €. 

Anmeldung

Wir freuen uns über Vortragsvorschläge. In der Regel sind für einen Vortrag 30–45 min und eine anschließende Diskussion vorgesehen.

Bei Interesse schicken Sie bitte einen Vortragstitel und ein Abstract von max. 250 Wörter bis zum 31. August 2025 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Natürlich ist auch eine Teilnahme ohne Vortrag möglich.

Anmeldungen zur Tagung nimmt Frau Karin Mißler unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.  bis zum 31. August 2025 entgegen.

Organisation

Christian Büscher, Universität Duisburg-Essen, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Örtliche Tagungsleitung: Anselm Lambert, Universität des Saarlandes, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Adresse

Univ.-Prof. Dr. Anselm Lambert
Lehrstuhl für Mathematik und ihre Didaktik

Universität des Saarlandes
Campus, Geb. E2 4, Raum 407/408
66123 Saarbrücken

Univ.-Prof. Dr. Melanie Platz
Lehrstuhl für Didaktik der Primarstufe - Schwerpunkt Mathematik

Universität des Saarlandes
Campus, Geb. E2 4, Raum 418/419
66123 Saarbrücken

 

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